Mittwoch, 12. Mai 2010

wer hat das angerichtet?

Die Ursache?

Es ist nicht die Gier. Es ist der Glaube daran, dass die Gier gut sei.

Und auch, dass ausreiche für uns, was unsere Gier will.

Und dass Gier und Mangel nichts miteinander zu tun hätten.



Dass Gier menschlich ist, das wissen wir. Dass menschlich und entschuldbar nicht dasselbe sind, das haben wir vergessen.

Donnerstag, 19. November 2009

unternehmensethik.

es ist doch nicht das unternehmen, das ethisch sein soll.

es sind doch wir, die das unternehmen sind, alle zusammen, irgendwie, bei aller arbeitsteilung.

und da können wir es uns doch nicht erlauben, im unternehmen etwas zu tun, das zu etwas führt, das wir insgesamt selber nicht täten.

dem gedanken folgen.

sobald ich versuche, alles in mehr oder minder stummes Selbstgespräch umzusetzen, was ich gerade denke, und meinen Gedanken so zu folgen, wie sie rennen, und sie zu klären und zu verankern, verliert sich meine Konzentration auf die Formulierung, und der Gedanke bricht ab, denn die Sprache, die geordneten Sätze sind zu langsam, zu umständlich und zu einäugig, um den Gedanken in all seiner Vielfalt, all seinem Zusammenhang, rasch genug zu fassen, und so werde ich traurig.

Donnerstag, 5. November 2009

selbstbewusst.

selbstbewusstsein heisst nicht, sich überlegen zu fühlen

nicht, sich besonders fähig oder glücklich zu glauben

nicht, jemand anderen zu erdrücken oder

sich ins zentrum zu stellen.


es heisst nur,

sich als sich selber unbekannt vorauszusetzen,

und dann offen und immer wieder zu fragen.


wer das eigentlich sei,

der oder die da steht, in diesem leben,

was man möge, und was man verabscheut,

was man könne, und wo man schwach sei,

was einem schmeichle, und was einen verletze,

was man wolle, und was man vermeide.


Und wenn man so fragt,

dann erfährt man nie alles, nicht im ganzen Leben.

Aber immerhin immer wieder etwas,

das man offen gefragt und erfahren hat.


Und schon mit der Fragestellung wird man frei,

kann Mauern einreissen, weil man zumindest ein bisschen

weiss, was man auf sich nehmen kann

und wo man sich verschwendet,

wo man sich zum Affen macht

und wo man frisch aufblüht,


wo man weiss, was man kann

und was man nicht kann.

die vorstellung und das geschehnis.

gibt es etwas Schöneres, als etwas unvermittelt zu lieben, von dem man bis dahin glaubte, man würde es verabscheuen?

und gibt es etwas Scheusslicheres, als etwas plötzlich zu hassen, von dem man glaubte, es lieben zu können?

gibt es etwas Schrecklicheres, als Gleichgültigkeit zu empfinden, wenn man sich Erregung versprach?

nah und fern.

Leo drehte die Bierflasche langsam auf den Kopf, und langsam lösten sich Hefenebelschwaden vom Flaschenboden und mäanderten das im gebrochenen Licht des Glases braun schimmernde Bier hinunter bis zum geschlossenen Kronkorken, an dem sie sanft abprallten, um zwei, drei letzte Male an Höhe zu gewinnen und schliesslich als neuer Bodensatz am anderen Flaschendene liegen zu bleiben.

Das Ganze erinnerte Leo an eine Apfelsaftflasche, die er mit zehn Jahren in einer Kommodenschublade verstaut und mit vierzehn Jahren schliesslich nach langem Zögern weggeworfen hatte: Darin hatten sich zahlreiche Schimmelpilze und Schleime gebildet, die Leo damals, als er mit vierzehn aufräumte, während langen Momenten durch die Flasche hin und her schweben liess, währenddem er ihnen mit faszinierten Augen folgte und in all diesen verschlungenen Formen zauberhafte Dinge sah, wie man in scharfen Sommerwolken alle Arten von Tieren entdecken kann.

Auch jetzt sitzt Leo hier und starrt auf den Tanz der Schwaden, kippt die Flasche mal hin und dann wieder zurück, versucht Regelmässigkeiten zu finden und gleitet in seinen Gedanken immer wieder ab, um bald sich daran zu erinnern, dass er die Flasche ursprünglich öffnen und leeren wollte.

Grosse Stars haben ihre offiziellen Fansites, eine Myspace-Seite und ein Facebook-Profil. Man kann sie anschreiben, und es antwortet niemand, oder eine PR-Praktikantin, die sich als den Star ausgibt oder sich als PR-Praktikantin zu erkennen gibt. Immer gibt es ein Ventil, es gibt Bilder zu kaufen und Schmusekissen mit dem Star, und es soll vorkommen, dass der Star seinem Fan an einem ungeraden Tag auch schon einmal wirklich persönlich antwortet. Stars sind erreichbar, sichtbar, besitzbar, wenn auch nicht gerade in besonders körperlicher Weise.

Leo aber hatte sich nie etwas aus Stars gemacht, er fand diese Vorzeigefrauen aus den Biologie- und Soziologiebüchern der Übermenschenpropagandisten nie sehr ansprechend, wenn er sich auch ihrem ersten, dem überrumpelnden, Einfluss nicht durchwegs zu entziehen vermochte.

Leo hatte Sophia dank einer Begegnung für sich entdeckt, die ganz durchschnittlichem Zufall entsprach. Er war, als er vom Studentenalter noch nicht so weit entfernt war wie heute, einem Freund zuliebe auf einen offenen Abend einer Studentenverbindung gegangen, sein erstes und letztes Mal an einem solchen Ort. Diese Verbindung hatte hauptsächlich weibliche Mitglieder, es wurde ordentlich, aber nicht zu viel und immer gemeinsam und gesittet, getrunken, und mit Sophia unterhielt er sich vielleicht knappe zwanzig Minuten, und das nicht einmal exklusiv, aber sie hatte durch alles, was sie war, für Stunden und Tage seine Aufmerksamkeit gebunden. Sie war so tief, dass ihre aussergewöhnliche Schönheit dagegen geradezu im Schatten stand. Er war erstaunt, jemanden wie sie gerade hier zu treffen, aber das steigerte nur sein Vergnügen, und er hielt das gar nicht für aussergewöhnlich, sondern nur sich selber für bisher zu naiv und eingefahren.

Nie hatte er sie seitdem wieder getroffen, obschon das wohl möglich gewesen wäre, wenn auch nicht gerade sehr wahrscheinlich. Möglich wäre es schon gewesen, weil die Stadt, wo sie arbeiteten, nicht sehr gross war.

Aber er hatte sie gesehen, da und dort auf Photos, hatte ihre Texte gelesen, und verfolgte ihren Werdegang und ihre Engagements. Sie musste gut sein und ganz andere Orte der Welt und des Lebens erschlossen haben, als er sie kannte; sie tat Dinge, die er auch unter der grössten Anstrengung seines Denkvermögens nicht in eine Reihe zu stellen vermochte, zwischen denen er kaum einen seidenen Faden an Zusammenhang sah, von denen er aber mit der Zeit wusste, dass sie ganz sicher zusammenhingen, und von denen er das Gefühl erhielt, dass sie zusammenhingen, auch wenn er das nicht sehen konnte - einfach, weil gerade sie all das in sich vereinte. Er sah sie nie mit einem Mann auf diesen Bildern, die er im Internet von ihr zusammensammelte, und das beruhigte ihn, oder zumindest hielt ihn das davon ab, seine Hoffnung zu verlieren.

Natürlich wusste er, wo sie wohnte; wo sie arbeitete, sowieso. Aber er ging da nicht hin, dazu gab es keinen Anlass. Sie hätte nicht verstanden. Und was hätte er schon tun sollen?

Leo hatte nicht jeden Tag an sie gedacht, dafür waren zu viele Jahre vergangen seit dem Abend im Studentenhaus. Und er schämte sich vor sich selber ein wenig, dass er sie nicht einmal auf den ersten Blick erkannt hatte, als sie noch durch die sich schon schliessende Aufzugstüre huschte und sich fast tonlos, aber ernst gemeint, entschuldigte für die Sekundenverzögerung, die sie durch die Auslösung der Türsicherheitsautomatik ausgelöst hatte, welche die Türe wieder öffnete, als sie schon längst drin war. Aber noch bevor der Aufzug wieder stoppte, war ihm klar, wer da war, und er wünschte sich nicht nur, dass die Türe viel eher ganz geschlossen hätte, sondern zugleich auch, dass er sie nie getroffen und nie etwas über sie in Erfahrung gebracht hätte.

Nun wusste er, wer da war, und sie wusste nichts. Der Aufzug stoppte auf keinem Stockwerk, sondern genau zwischen der dritten und der vierten Etage, und der Jüngling auf der Service-Linie hinter dem Mikrofon und der roten Taste in der Liftkabine hatte rasche Hilfe zugesichert, die bestimmt in einer halben Stunde da sein würde. Leo spielte zunächst gut den Aufzugspassagier, dem so etwas passiert, wenn einer jungen Dame in der gleichen Kabine dasselbe geschieht. Er hatte etwas zu tun und zu sagen, bis die Servicelinie unterbrochen wurde.

Dann war Stille mit seltenen, unbedeutenden Worten, und als der Service auch nach einer Stunde nicht ankam, entwickelte sich ein Gespräch über Leben und Tod, über Liebe und Hass, und über alles andere.

Leo sah, dass sie ihren Blick immer wieder auf ihm verlor, aber er sprach mit verschnürter Kehle, und er würgte das Vertrauen, das sie ihm hier plötzlich gab, Stück für Stück insgeheim wieder hinaus; und als sie ihm nach der Deblockierung des Aufzugs dankte und für einen kurzen Moment unmerklich zitterte, als wollte sie sich wegdrehen und zugleich nicht, sagte er nur, dass er nun schleunigst zu einer Sitzung müsse, und dass sie nichts zu danken habe.

Donnerstag, 5. November 2009

das verbrechen.

Das grösste, das ursprünglichste und verheerendste Verbrechen, so glaube ich, ist der Selbstbetrug.

Montag, 12. Oktober 2009

um mich herum.

Das Leben.

Ein Schlüssel, der mir Haus und Wohnung öffnet.

Ein paar Karten, mit denen ich Geld für Waren und Dienstleistungen erlangen kann.

Eine Karte, die meinen Namen trägt.

Überall Datenbanken, die diesen Namen auch kennen.

Ein paar Gewissheiten und ein paar Erinnerungen.

Wie ich heisse, und was früher geschehen ist.

Gesichter, die mich erkennen, und Herzen, die sich ein Bild von mir gemacht, die mich in ihre Welt eingebaut haben.

Viele Personalien und Passwörter, mit denen ich mich einklinke und die mir Zugänge öffnen.

Telefonnummern und Visitenkarten.

Geschichten, die mich einbringen, die mein Leben ausweisen.

Verhaltensweisen und eingeübte Gesten.

Ein Haufen Verträge, damit für dies und das gesorgt ist.

Gegenstände, die mich freuen, die ich nicht wegwerfen kann oder die ich benutze, ohne darüber nachzudenken.

Ein paar Narben, an denen ich mich besinne.

Das Glück, auf niemandes schwarzer Liste zu stehen.

Die Erinnerung als einzige Existenzgrundlage.

Ich habe nicht gewusst, dass ich alles hinter mir hertragen, um mich herum gruppieren und orchestrieren muss, um mich nicht zu verlieren, um mich orientieren und bewegen zu können, in meinem Leben. Ich dachte, ich könne alles vergessen und frei sein.

Mittwoch, 2. September 2009

kurz.

Trauerst du ihr nach? – Heiner wollte verständnisvoll, aufnahmefähig und teilnehmend wirken, aber zur Hauptsache war er doch einfach nur interessiert, nicht zuletzt auch daran, dass Benno seine Frage bejahen würde.

Keineswegs, mein Lieber, auf gar keinen Fall. Ich weine nicht, ich lächle ihr nach. Alles ist schön so, und alles hatte seinen Platz und seine Zeit. Mein Lächeln ist zufrieden und wohlwollend. – Benno lächelte das Lächeln, das er beschrieben hatte, und brach nicht ab. Die beiden sassen auf Bennos Balkon und blickten über den Parkplatz hinweg auf eine Gewitterfront, die sich am Stadtrand auftürmte.

Du bist also tatsächlich traurig! – Heiner triumphierte nicht. Bennos untaugliche Verstellungsversuche betrübten ihn plötzlich.

Natürlich bin ich traurig, verdammt, aber es ist ein süsses Gefühl. Fast wie nach einem Pfadfinderlager, damals, wenn unvermittelt alles vorbei ist und du allein zuhause sitzt. – Benno schwieg lange und starrte in den Himmel, um den nächsten Blitz zu erhaschen.

Der nächste Blitz war majestätisch, und der Donner gewaltig. Benno wandte sich wieder Heiner zu. – Alles in allem vielleicht fünfzig Minuten, letztlich aber nur fünf; ach was, am Ende nur ein paar Sekunden. Das ist die ganze Geschichte, mein Lieber, die mich so mitnimmt. Eine lange Unterhaltung, zwei Stücke Tanz, aber am Schluss, was als lebendiges Gefühl und nicht nur als Erinnerung in mir geblieben ist, ein paar Sekunden ihrer Blicke (und natürlich ein warmes Berührungsgefühl vom Tanzen). Und jetzt ist alles wieder so, wie es war, und wie es sein muss. So wenig und dadurch so perfekt. Nur die Spitze der Krone der Sahnehaube des Eises mit der Zungenspitze gestreift. Traurig bin ich, weil mir irgendeinmal das ganze Leben so vorkommen wird, wenn es endet; nur ein einziges kurzes Blinzeln vor einer riesigen, wunderschönen Landschaft.

Sandwichs.

Du hast jemand, der für dich Sandwichs streicht. Da ist einer, der deinen Zugsessel vom Staub befreit. Manche nähen für dich deine T-Shirts, wenn du noch im Pyjama steckst. Der Abfalleimer bei den Glascontainern ist immer geleert, wenn du am Samstagmorgen die Flaschen herausträgst und dann die leeren Plastiktüten wegwirfst. Wenn Du etwas gekauft hast und du verstehst es nicht, steht eine Nummer auf der Verpackung, unter der dir jemand mitten in der Nacht am Telefon antworten wird. Jemand hat die Rosen gehegt und geschnitten, mit denen du die Badewanne füllst. Das Buch über Dein nächstes Reiseziel hast du in einem Laden ohne Fenster gekauft. Damit nichts schiefgeht, sitzt in einem Glaskasten einer, der auf den Hauseingang aufpasst. Und um das Rind zu schneiden, aus dem dein Steak hervorging, stand jemand in der Kälte eines Kühlhauses. Warum zum Teufel willst du keine Reinigungskraft bei dir zuhause? Was bildest du dir ein?

Freitag, 28. August 2009

da und dort.

Kopenhagen ist schön, das haben mir meine Erinnerungen gesagt. Es ist rotorange, die Sonne steht tief, aber scheint warm, und es gibt viele Menschen, die etwas Schönes im Sinne zu haben scheinen, und die radfahren.

Die Uhr des Hauptbahnhofs zeigt an, dass Mitternacht schon vor mehr als einer ganzen Stunde war. Sie zeigt drei senkrechte Striche hintereinander, nur durch einen Doppelpunkt getrennt. Die Leuchtreklamen rundherum erzählen von Unternehmen, die ich nicht kenne, die aber wie überall schöne, positive Namen und aufeinander abgestimmte Farben tragen.

Neben mir liegt ein Bett, vor mir steht eine Flasche Bier, die ich genau gleich auch irgendwo anders kaufen könnte, und unter meinen Fingern arbeitet der Computer, wie ich es ihm auftrage. Bin ich hier? Oder bin ich dort, wo ich immer bin? Kann ich woanders sein, wenn mein Mensch hier ist? Kann es sein, dass ich gar nie fortkomme, und nur meine Sinne, wenn ich genau hinfühle, mir etwas anderes vorgaukeln?

Ich sehe mich im Spiegel, der an die Wand geklebt ist, die hinter dem Schreibtisch steht. Das beweist und widerlegt alles.

Montag, 24. August 2009

angehen.

Natürlich hörte ich die Schreie, aber Plätze wie den, wo das war, die sieht man oft im Fernsehen; und da schreien sie dann auch, da gehen sie einander auch an die Kehle, da klingt es genau gleich. Aber man ist ja dann meist beim Bügeln, wenn es so schreit im Fernsehen, oder beim Abwasch. Und darum habe ich mich nicht umgedreht, darum bin ich weitergegangen. Ich habe nicht gedacht, dass mich das etwas angehen sollte.

Sonntag, 23. August 2009

zuviel.

zu viel Scheibenkäse, zu viel Alkohol.

zu viele Plastikkarten, zu viele Pincodes.

zu viele Piktogramme, zu viele Dekolletees.

zu viele Texte, zu viele Meinungen.

zu viele Bilder, zu viele Gefühle.

zu viel Kraft, zu viele Narben.

zu viel Gelächter, zu viele verborgene Blicke.

zu viel Beton, zu viel Benzin.

zu viele Menschen, zu viele Schritte.

zu wenig Luft.

ertrinken.

du arbeitest zuviel. – ich arbeite gerne. – ein Alkoholiker trank auch einmal gerne. – den Alkohol habe ich ja einigermassen im Griff. – kannst Du denn nicht ab und zu gerne arbeiten, und dann ab und zu gerne wieder etwas anderes tun? – nein, nur wenn ich nie ruhe, bleibt das Feuer und werde ich nicht zu Blei. ich hab’s versucht, aber es geht nicht; je weniger Aufgaben ich mir gebe, desto grösser scheinen sie mir, desto mühseliger, und desto mehr siegt dann meine Faulheit, und ich tue gar nichts. – aha, du bist also ein Fauler, der gegen das Ertrinken kämpft?

Dienstag, 18. August 2009

Unterbruch.

Max hatte dieses Mal wenig Mühe, seinen Blick nicht abschweifen zu lassen. Sie schaute zu ernst, und auch ihm war, schon den ganzen Tag lang übrigens, überhaupt nicht nach einem Lächeln zumute. Max trank seinen Eistee in kleinen Schlücken und kurzen Abständen. Wenn er nicht sie anschaute, dann blickte er auf sein Glas und die schwimmenden Minzeblätter darin. Oder er blies Zigarettenrauch in die Bambussträucher, die die Gaststätte vom Gehsteig abgrenzten. Rundherum suchten die Leute freie Plätze an den grossen Tischen, oder standen auf, oder trafen sich, oder verabschiedeten sich. Es war sehr heiss. Aber Max’ Blick war gelähmt, weil Max sich schämte, und weil ein Abschweifenlassen des Blicks den seidenen Spinnenfaden, der alleine sie beide hier an einem Tisch hielt, zerreissen liesse. Sie machte mit ihren Augen und ihren Armen derweil viele Bewegungen, die den Faden gefährlich in die Länge zogen.

Mit einemmal fuhr ein Feuerwehrfahrzeug nach dem anderen vorbei, alle mit gleich lauter Sirene, was die meisten Gespräche verstummen liess, währenddem wenige zum Gebrüll anschwollen. Vielleicht hatte ein Blitz des herannahenden Gewitters ausserhalb der Stadt eine grosse Scheune getroffen. Max und Sarah entschieden sich fürs Schweigen und warteten. Sie waren froh, dass ihr Schweigen einen Moment lang einen äusseren Grund hatte. Als der Lärm aber vorbei war, konnte sie sich das Lächeln nicht verkneifen, weil er die ganze Zeit über ein Stück Orangenfruchtfleisch in gedankenverlorenem Genuss zwischen den Eckzähnen verbiss. Sie sagte, dass sie wohl freinehmen würde, wenn es weiter so heiss bleibe. Und Max lächelte plötzlich auch, und sie ergriff seine Hand, und sie erzählten sich lustige Kurzgeschichten über die Menschen, die an der Ampel standen, mit ihren Tüten, Taschen, Rucksäcken und Rollkoffern, und was da wohl drin sein möge. Jetzt lächelten und lachten sie beide immer wieder. Alles Schwere schien verdunstet.

Die lustigen Geschichten hielten nicht lange an; gerade nach der, die sie am stärksten und längsten zum Lachen gebracht hatte, schwiegen sie einen Moment lang erschöpft, und keiner wagte es danach mehr, eine weitere Geschichte zu erfinden, und sie kehrten zum schweren Schweigen zurück. Max fragte plötzlich: Und wie geht es jetzt weiter? – Immer ich!, keuchte sie langsam, griff nach ihrem Tabakbeutel, wandte den Blick ab, hielt inne, stand auf und ging.

tun.

Es gibt die, die nicht sehen.

Es gibt die, die verdrängen.

Es gibt die, die kompensieren.

Aber niemand kann etwas tun.



Manche sagen: Wenn nur alle so wie wir!

Manche sagen: Es hilft eh’ nix!

Manche sagen: Es wird besser!

Manche sagen: Tue Gutes!



Wer Gutes tut, der vertreibt nicht das Böse.

Wer Gutes tut, von dem profitiert das Böse.

Wer Gutes tut, der entlastet das Böse.

Denn vom Guten ernährt sich gern das Böse, und es versteckt sich dahinter.



Noch nie hingen wir so eng zusammen, noch nie waren wir uns so fremd.

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nuusche

 

erinnern

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Einspruch!
" .. Wir haben alle verlernt, unsere Gier zu zügeln...
wvs - 17. Mai, 14:08
Sie tippen vollkommen...
Sie tippen vollkommen richtig; aber gleichwohl: Ich...
moccalover - 17. Mai, 11:29
Da ist unsere Sprache...
- bedauerlich, aber wahr - doch noch zu eingeschränkt....
wvs - 15. Mai, 00:13
Ja,
und doch ist Gier immer Gier, und selbst als Wissensgier...
moccalover - 15. Mai, 00:03
Wäre ....
es "Gier nach Wissen" anstatt "Gier nach Geld" und...
wvs - 13. Mai, 15:14
wer hat das angerichtet?
Die Ursache? Es ist nicht die Gier. Es ist der Glaube...
moccalover - 12. Mai, 22:39
Wo auch immer ....
Sie dies lesen - oder wann - ich wünsche ein spannendes,...
wvs - 31. Dez, 16:06
Es ist ....
das Wesen der "Arbeitsteilung" die Arbeitenden von...
wvs - 21. Nov, 20:34
Mit zunehmendem Alter...
erkenne ich genau dieses 'zu langsam schreiben für...
wvs - 21. Nov, 20:23
dem gedanken folgen.
sobald ich versuche, alles in mehr oder minder stummes...
moccalover - 19. Nov, 22:36
unternehmensethik.
es ist doch nicht das unternehmen, das ethisch sein...
moccalover - 19. Nov, 22:34
und was das heisse, wenn...
und was das heisse, wenn jemand jemand sei.
moccalover - 19. Nov, 22:33
danke. wenn nur die umsetzung...
danke. wenn nur die umsetzung so einfach wie die erkenntnis...
moccalover - 19. Nov, 22:31
wer das eigentlich sei
wer das eigentlich sei
Reh Volution - 10. Nov, 07:32
da steckt viel wahrheit...
da steckt viel wahrheit drin.
me. (Gast) - 7. Nov, 21:10

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Zuletzt aktualisiert: 17. Mai, 14:09

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