Unterbruch.

Max hatte dieses Mal wenig Mühe, seinen Blick nicht abschweifen zu lassen. Sie schaute zu ernst, und auch ihm war, schon den ganzen Tag lang übrigens, überhaupt nicht nach einem Lächeln zumute. Max trank seinen Eistee in kleinen Schlücken und kurzen Abständen. Wenn er nicht sie anschaute, dann blickte er auf sein Glas und die schwimmenden Minzeblätter darin. Oder er blies Zigarettenrauch in die Bambussträucher, die die Gaststätte vom Gehsteig abgrenzten. Rundherum suchten die Leute freie Plätze an den grossen Tischen, oder standen auf, oder trafen sich, oder verabschiedeten sich. Es war sehr heiss. Aber Max’ Blick war gelähmt, weil Max sich schämte, und weil ein Abschweifenlassen des Blicks den seidenen Spinnenfaden, der alleine sie beide hier an einem Tisch hielt, zerreissen liesse. Sie machte mit ihren Augen und ihren Armen derweil viele Bewegungen, die den Faden gefährlich in die Länge zogen.

Mit einemmal fuhr ein Feuerwehrfahrzeug nach dem anderen vorbei, alle mit gleich lauter Sirene, was die meisten Gespräche verstummen liess, währenddem wenige zum Gebrüll anschwollen. Vielleicht hatte ein Blitz des herannahenden Gewitters ausserhalb der Stadt eine grosse Scheune getroffen. Max und Sarah entschieden sich fürs Schweigen und warteten. Sie waren froh, dass ihr Schweigen einen Moment lang einen äusseren Grund hatte. Als der Lärm aber vorbei war, konnte sie sich das Lächeln nicht verkneifen, weil er die ganze Zeit über ein Stück Orangenfruchtfleisch in gedankenverlorenem Genuss zwischen den Eckzähnen verbiss. Sie sagte, dass sie wohl freinehmen würde, wenn es weiter so heiss bleibe. Und Max lächelte plötzlich auch, und sie ergriff seine Hand, und sie erzählten sich lustige Kurzgeschichten über die Menschen, die an der Ampel standen, mit ihren Tüten, Taschen, Rucksäcken und Rollkoffern, und was da wohl drin sein möge. Jetzt lächelten und lachten sie beide immer wieder. Alles Schwere schien verdunstet.

Die lustigen Geschichten hielten nicht lange an; gerade nach der, die sie am stärksten und längsten zum Lachen gebracht hatte, schwiegen sie einen Moment lang erschöpft, und keiner wagte es danach mehr, eine weitere Geschichte zu erfinden, und sie kehrten zum schweren Schweigen zurück. Max fragte plötzlich: Und wie geht es jetzt weiter? – Immer ich!, keuchte sie langsam, griff nach ihrem Tabakbeutel, wandte den Blick ab, hielt inne, stand auf und ging.
wvs - 18. Aug, 23:16

Nur ein Teilaspekt ....

Es gibt bestimmte Situationen die der oben geschilderten ähnlich sind: Jähes Ende, abrupter Abbruch der Konversation .... das passiert nach meiner Beobachtung auch, wenn in einer geselligen Runde Witze erzählt werden.

Ich frage mich, ob die Psychologen dafür eine 'Kategorie' oder eine 'Benennung' er- / gefunden haben.

Warum?
" .. sie ergriff seine Hand . " - weil er lächelte?
" .. Immer ich! .. " - da fehlt (mir) eine Information, die ihre heftige Reaktion verständlich machen würde.

moccalover - 18. Aug, 23:27

ja, witze können erschöpfen. Ich kenne keine Kategorisierung dafür. Das Lachen klingt nach langem erstmals ab, und jedem ist die Situation plötzlich fremd.

Und ich glaube, sie hat die Hand genommen, um den Faden zu entlasten, um einen Moment lang eine feste, körperliche Bindung auferstehen zu lassen.

Immer ich - ich deute das so, dass die beiden offenbar immer wieder sich die Frage stellen, wie weiter?
wvs - 19. Aug, 01:10

Da ich ....

es gern 'harmonisch' habe - auch wenn es einige Zeit hier bei "twoday" nicht so aussah - plädiere ich für eine 'Nachdenkzeit' und ein Wiedersehen mit Gespräch über das was trennt und das was vereint .... bitte mehr von Letzterem.

"Gefühltes Unrecht" "Erlittenes Unrecht" - oft verrennt man sich und braucht Abstand um das zu erkennen.
moccalover - 23. Aug, 22:58

nun ja, hier war es wohl wirklich erlittenes Unrecht. Aber es ist wahr - im Moment der Handlung übersteuern wir oft in deren emotionaler Bewertung und sehen das später gelassener. Manchmal braucht es aber auch einen Streit, damit man es später gelassener sehen kann.

es wird bestimmt ein Wiedersehen geben, die können gar nicht anders. Was sie trennt, ist zu schwach, um sie auseinander zu reissen. Aber das einende ist auch nicht stark genug, um sie gegen diese Fliehkräfte ganz zueinander zu bringen.

Warum sah es bei twoday nicht harmonisch aus? was war?
wvs - 23. Aug, 23:16

Es gab einige Blogger/-innen die sich in 2004/2005 als 'creme-de-la-creme' verstanden und alle potentiellen Konkurrenten mit teilweise sehr rüden Methoden verbissen haben .... zeitweise wurde ich von einem Blogger bedroht, da half allerdings Herr U.Vetter (lawblog). Es bedurfte nur zweier E-Mails von ihm und der Spuk nahm ein Ende.

Einige der damaligen Akteure sind völlig verschwunden, ein paar davon stehen nebenan in ihrer Liste. Die Lautesten sind 'ruhiger' geworden, zuerst verstummt - oder abgestumpft?

Frau Morgaine z.B. glaubte wohl, ich sei eine Art "Agent" (von wem auch immer, das wurde nie so klar) auf ihre Spur gesetzt um sie zu provozieren, sehr witzig, aber sie nahm das sehr, sehr ernst ....

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