kurz.

Trauerst du ihr nach? – Heiner wollte verständnisvoll, aufnahmefähig und teilnehmend wirken, aber zur Hauptsache war er doch einfach nur interessiert, nicht zuletzt auch daran, dass Benno seine Frage bejahen würde.

Keineswegs, mein Lieber, auf gar keinen Fall. Ich weine nicht, ich lächle ihr nach. Alles ist schön so, und alles hatte seinen Platz und seine Zeit. Mein Lächeln ist zufrieden und wohlwollend. – Benno lächelte das Lächeln, das er beschrieben hatte, und brach nicht ab. Die beiden sassen auf Bennos Balkon und blickten über den Parkplatz hinweg auf eine Gewitterfront, die sich am Stadtrand auftürmte.

Du bist also tatsächlich traurig! – Heiner triumphierte nicht. Bennos untaugliche Verstellungsversuche betrübten ihn plötzlich.

Natürlich bin ich traurig, verdammt, aber es ist ein süsses Gefühl. Fast wie nach einem Pfadfinderlager, damals, wenn unvermittelt alles vorbei ist und du allein zuhause sitzt. – Benno schwieg lange und starrte in den Himmel, um den nächsten Blitz zu erhaschen.

Der nächste Blitz war majestätisch, und der Donner gewaltig. Benno wandte sich wieder Heiner zu. – Alles in allem vielleicht fünfzig Minuten, letztlich aber nur fünf; ach was, am Ende nur ein paar Sekunden. Das ist die ganze Geschichte, mein Lieber, die mich so mitnimmt. Eine lange Unterhaltung, zwei Stücke Tanz, aber am Schluss, was als lebendiges Gefühl und nicht nur als Erinnerung in mir geblieben ist, ein paar Sekunden ihrer Blicke (und natürlich ein warmes Berührungsgefühl vom Tanzen). Und jetzt ist alles wieder so, wie es war, und wie es sein muss. So wenig und dadurch so perfekt. Nur die Spitze der Krone der Sahnehaube des Eises mit der Zungenspitze gestreift. Traurig bin ich, weil mir irgendeinmal das ganze Leben so vorkommen wird, wenn es endet; nur ein einziges kurzes Blinzeln vor einer riesigen, wunderschönen Landschaft.

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