Mittwoch, 2. September 2009

kurz.

Trauerst du ihr nach? – Heiner wollte verständnisvoll, aufnahmefähig und teilnehmend wirken, aber zur Hauptsache war er doch einfach nur interessiert, nicht zuletzt auch daran, dass Benno seine Frage bejahen würde.

Keineswegs, mein Lieber, auf gar keinen Fall. Ich weine nicht, ich lächle ihr nach. Alles ist schön so, und alles hatte seinen Platz und seine Zeit. Mein Lächeln ist zufrieden und wohlwollend. – Benno lächelte das Lächeln, das er beschrieben hatte, und brach nicht ab. Die beiden sassen auf Bennos Balkon und blickten über den Parkplatz hinweg auf eine Gewitterfront, die sich am Stadtrand auftürmte.

Du bist also tatsächlich traurig! – Heiner triumphierte nicht. Bennos untaugliche Verstellungsversuche betrübten ihn plötzlich.

Natürlich bin ich traurig, verdammt, aber es ist ein süsses Gefühl. Fast wie nach einem Pfadfinderlager, damals, wenn unvermittelt alles vorbei ist und du allein zuhause sitzt. – Benno schwieg lange und starrte in den Himmel, um den nächsten Blitz zu erhaschen.

Der nächste Blitz war majestätisch, und der Donner gewaltig. Benno wandte sich wieder Heiner zu. – Alles in allem vielleicht fünfzig Minuten, letztlich aber nur fünf; ach was, am Ende nur ein paar Sekunden. Das ist die ganze Geschichte, mein Lieber, die mich so mitnimmt. Eine lange Unterhaltung, zwei Stücke Tanz, aber am Schluss, was als lebendiges Gefühl und nicht nur als Erinnerung in mir geblieben ist, ein paar Sekunden ihrer Blicke (und natürlich ein warmes Berührungsgefühl vom Tanzen). Und jetzt ist alles wieder so, wie es war, und wie es sein muss. So wenig und dadurch so perfekt. Nur die Spitze der Krone der Sahnehaube des Eises mit der Zungenspitze gestreift. Traurig bin ich, weil mir irgendeinmal das ganze Leben so vorkommen wird, wenn es endet; nur ein einziges kurzes Blinzeln vor einer riesigen, wunderschönen Landschaft.

Sandwichs.

Du hast jemand, der für dich Sandwichs streicht. Da ist einer, der deinen Zugsessel vom Staub befreit. Manche nähen für dich deine T-Shirts, wenn du noch im Pyjama steckst. Der Abfalleimer bei den Glascontainern ist immer geleert, wenn du am Samstagmorgen die Flaschen herausträgst und dann die leeren Plastiktüten wegwirfst. Wenn Du etwas gekauft hast und du verstehst es nicht, steht eine Nummer auf der Verpackung, unter der dir jemand mitten in der Nacht am Telefon antworten wird. Jemand hat die Rosen gehegt und geschnitten, mit denen du die Badewanne füllst. Das Buch über Dein nächstes Reiseziel hast du in einem Laden ohne Fenster gekauft. Damit nichts schiefgeht, sitzt in einem Glaskasten einer, der auf den Hauseingang aufpasst. Und um das Rind zu schneiden, aus dem dein Steak hervorging, stand jemand in der Kälte eines Kühlhauses. Warum zum Teufel willst du keine Reinigungskraft bei dir zuhause? Was bildest du dir ein?

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nuusche

 

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